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Der “Erfurter Schatz” wurde 1998 bei Ausgrabungen gefunden und umfasst über 3000 Münzen und mehr als 700 weitere Einzelstücke (Schmuck u.a.), siehe dazu auf der Website zur Ausstellung in der Alten Synagoge, vgl. auch auf Wikipedia.
Die auf dem Plan eingetragenen Namen zeigen die urkundlich nachgewiesenen Besitzer bzw. Bewohner des Viertels (blau = jüdisch, rot = christlich). Nicht bei allen ist eindeutig zu entscheiden, ob es sich um Juden oder Christen handelt, und nicht alle Besitzer sind zu belegen. Dies zeigen die Lücken in der Kartierung. Es wird dennoch deutlich, wie eng Christen und Juden während der Zeit der ersten jüdischen Gemeinde zusammenwohnten.
Auffallend ist, dass sich die von Juden bewohnten Hausstätten in der Zeit vor dem Pogrom von 1349 in ihrer Größe stark unterscheiden. So steht der sehr dicht besiedelte Bereich rund um die Mikwe im Gegensatz zu den offenbar sehr großzügigen Grundstücken an der Michaelisstraße. Dieser Unterschied beruht sicher darauf, dass an der Michaelisstraße, einem der Haupthandelswege, wohlhabende Menschen lebten, während im rückwärtigen Bereich eher ärmere Leute wohnten – hier wie dort Juden und Christen nebeneinander.
Im März 1349 wurde die erste mittelalterliche jüdische Gemeinde zu Erfurt durch ein Pogrom vollständig ausgelöscht. Die Pest erreichte die Stadt erst im darauf folgenden Jahr, als keine Juden in Erfurt lebten.
Während des Pogroms wurden bereits über 100 Juden getötet, bei dem Versuch, sich zu verteidigen. Als die Lage aussichtslos wurde, zogen sich die Überlebenden in ihre Häuser zurück und zündeten sie an. So kamen wohl an die 900 Juden in den Flammen um. Das große Feuer zerstörte das Viertel um die Synagoge. Zahlreiche Häuser und auch der Dachstuhl der Synagoge brannten nieder.
Nach dem Pogrom erklärte der Erfurter Rat jüdischen Besitz zu seinem Eigentum und nahm die Häuser und Grundstücke von den ermordeten Juden in seinen Besitz. Er verkaufte die Synagoge an einen Kaufmann, der sie in ein Lagerhaus umnutzte. Aber auch jüdische Wohnhäuser baute der Erfurter Rat teilweise für andere Zwecke um: So entstand an der Michaelisstraße das städtische Waagegebäude. Verschiedene ehemals jüdische Anwesen zog der Rat offenbar zur Erweiterung des Rathauses und des städtischen Marstalls ein.
1354 kam es zur bewussten Wiederansieldung einer jüdischen Gemeinde durch den Erfurter Rat. Hierbei handelte es sich um eine gezielte Ansiedlung von Juden in städtischen Bauten „hinter dem Rathaus“. Die Juden, die sich wenige Jahre nach dem Pogrom in Erfurt niederließen, stammten vor allem aus Mitteldeutschland, Böhmen und Schlesien. Der Rat förderte deren Ansiedlung mit dem Bau von Reihenmiethäuser an der Gera. Im Jahr 1357 ließ der Rat auch eine neue Synagoge errichten, da er die Alte Synagoge bereits verkauft hatte.
Bild 4: Stadtplan nach 1354 1354 kam es zur bewussten Wiederansieldung einer jüdischen Gemeinde durch den Erfurter Rat. Hierbei handelte es sich um eine gezielte Ansiedlung von Juden in städtischen Reihenhäusern „hinter dem Rathaus“. © Plan: Büro Albrecht von Kirchbach; Foto: Alte Synagoge Erfurt
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